Bert Olsons Blog

 

* Startseite     * Über...     * Archiv     * Gästebuch     * Kontakt     * Abonnieren








Die Bar

Die Blaue Stunde
Diese Bars, so kurz nachdem sie aufgemacht haben für den Abend – da fühle ich mich richtig wohl. Wenn die Luft drinnen noch kühl ist und rein und alles glänzt und der Barmann seinen letzten Blick in den Spiegel wirft, um zu sehen, ob seine Krawatte auch grade sitzt und sein Haar schön glatt. Ich mag die sauberen Flaschenreihen auf dem Regal hinter der Theke und die blitzblanken Gläser und die ganze Erwartung, die darüber liegt. Ich sehe dem Mann gern zu, wie er den ersten des Abends mixt und ihn auf einen frischen Untersatz stellt und die kleine gefaltete Serviette daneben lebt. Ich liebe es, den ganz langsam zu kosten. Der erste stille Drink des Abends in einer stillen Bar – das ist etwas Wundervolles.

Der Alkohol
Mit dem Alkohol ist es wie mit der Liebe. Der erste Kuss ist magisch, der zweite vertraut, der dritte schon Routine. Danach zieht man das Mädchen aus.

Der Abend
Aber nach einer Weile werden die ordinären Saufköppe das Lokal überschwemmen, und dann geht das laute Reden los und das Gelächter, und die gottverdammten Weiber fangen an, mit den Händen zu fuchteln und sich die Augen zu verrenken und ihren gottverdammten Armbändern zu klimpern und sich ihren wohlverpackten Charme aufzuschminken, der dann später am Abend ein leichten, aber unverkennbaren Schweißgeruch haben wird.
[…]
Nehmen Sie’s nicht so tragisch. Immerhin sind das doch noch menschliche Züge: Sie schwitzen, sie werden dreckig, sie müssen mal unter die Dusche. Was hätten Sie denn erwartet – goldene Schmetterlinge, die durch rosige Nebel schweben.

Der Abschied
Sie hatten ein großes Stück von mir gekauft, Terry. Für ein Lächeln, ein Nicken, ein Winken der Hand und ein paar stille Drinks hin und wieder in einer stillen Bar. Es war nett, solange es währte. Machen Sie`s gut, Amigo. Groß Abschied nehmen wollen wir nicht. Das haben wir getan, als es etwas bedeutete. Als es ein trauriges, einsames und endgültiges Wort war.

The Long Good-Bye von Raymond Chandler, der Klassiker des Klassikers. In meinen Augen sein bestes Buch. Der äußerlich mit allen Wassern gewaschene, zynische und harte Privatdetektiv Marlowe wird in all seiner Verwundbarkeit gezeigt. Seine Intellektualität und menschliche Integrität in einer unmenschlichen Welt, die nur vom Geld und Macht regiert wird. Es offenbart sich ein Mensch, der für seinen Job eigentlich viel zu sensibel und zu schade ist. Er macht die Sachen, die gemacht werden müssen, weil sie gemacht werden müssen. Dabei vertraut er nur seinem Kompass, seinem inneren moralischen Pflichtgefühl, so bewahrt er sich einen letzten Rest Anstand in er korrupten amoralischen Welt.

Die Geschichte ist ein Hohelied der Treue und Freundschaft. Trotzdem wird alles in ihr verraten oder verkauft. Nur Marlowe läßt seine Werte nicht käuflich werden. Sein Preis ist hoch, weitere Desillusionierung und Einsamkeit."

Ein sehr melancholisches gereiftes Männerbuch; keine strahlenden Sieger, harte oder gescheiterte Existenzen, Frauen und Liebe nicht mehr als flüchtige Momente oder berechnete Gefühle. Der Soundtrack dazu: Charlie Parker oder Miles Davies, der Drink: ein Malt oder Rye, die Jahreszeit: Herbst und Winter.

28.10.08 13:24
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung